Wenn der Oktober über Europa zieht und die Hitze des Sommers nur noch eine ferne Erinnerung ist, öffnet sich Südosteuropa wie ein Buch aus Gold und Rauch. Die Wälder tragen nun Gewänder aus Kupfer und Purpur, und über den sanften Hügeln liegt ein Licht, das weicher ist als anderswo – als hätte die Sonne beschlossen, langsamer zu scheinen. Gemeinsam verlängern wir den Sommer, entdecken Bulgarien und Nordgriechenland und genießen warme Temperaturen, die vielschichtige Geschichte, die Pracht der Natur und die Fülle der Ernte.
Unsere Reise ist eine Annäherung an ein kulturelles Gefüge, das über Jahrtausende gewachsen ist. Zwischen Orient und Okzident, zwischen makedonische und byzantinischem Erbe, osmanischer Prägung und europäischer Moderne entfaltet sich ein Region, dessen Identität aus vielschichtigen historischen Schichten besteht – sichtbar, hörbar und spürbar.
Bulgarien ist ein Raum der Übergänge:geografisch am Rand Europas gelegen, geistig jedoch stets im Dialog mit seinen Zentren. In kaum einem anderen europäischen Land liegen die Epochen so unmittelbar nebeneinander. Thrakische Gräber, römische Theater, byzantinische Fresken und osmanische Spuren sind keine museal isolierten Kapitel, sondern Teil eines lebendigen Kontinuums.
Weiter südlich breitet sich Thessaloniki am Ägäischen Meeraus – eine Stadt, in der die Spuren vergangener Jahrhunderte mit dem pulsierenden Leben der Gegenwart verschmelzen. Einst byzantinische Kaiserstadt, später osmanische Metropole, ist ein kultureller Knotenpunkt zwischen Balkan, Mittelmeer und Orient.
Auf unserer Reise von Ost nach Westerleben wir beide Länder in außergewöhnlicher historischer und kultureller Dichte. Wir beginnen in Sofia, dem geistigen Herz des Balkans, und bewundern die UNESCO-geschützte Boyana Church mit Fresken aus dem 13. Jahrhundert, Vorboten der europäischen Renaissance.
Weiter geht es nach Belogradchik, wo zwischen bizarren Sandsteinformationen die imposante Festung die Verbindung von Natur und Geschichte zeigt. In der nahegelegenen Magura-Höhleentdecken wir prähistorische Malereien, die zu den ältesten Europas zählen. An der Donaubesichtigen wir die mittelalter-
liche Festung Baba Vida, ein Symbol des bulgarischen Königreichs. Plovdiv- eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte Europas, fasziniert durch seine kulturellen Schichten von thrakisch über römisch bis osmanisch, während im kreativen Kapana-Viertel zeitgenössische Kunst pulsiert. Im Rila-Gebirgeliegt das spirituelle Herz Bulgariens: das UNESCO-Welterbe Rila-Klostervereint eindrucksvolle Fresken, orthodoxe Tradition und nationale Identität.
Schließlich führt uns die Reise nach Melnik, der kleinsten Stadt Bulgariens, wo wir durch Sandsteinformationen und historische Weinhäuser wandern. Und genau hier befindet sich das neueste ambitionierte Projekt, das moderne Kunst und Weinkultur vereint.
In Thessalonikierkunden wir die Höhepunkte der Region vom antiken Erbe bis zur zeitgenössischen Kunstszene.Ein Ausflug führt zu den berühmten Königsgräbern von Vergina, wo die makedonischen Grabfunde – darunter Goldschmuck und Artefakte – eindrucksvoll das Erbe Philipp II., dem Vater Alexanders des Großen illustrieren. Wir besichtigen die erhaltene Synagoge in Veroia und entdecken die orthodoxen Kirchen mit ihren bedeutenden Fresken und Ikonen. Wir unternehmen eine Bootsfahrt entlang der Küste und genießen den Blick auf Thessaloniki, um die Stadt auch vom Wasser aus kennenzulernen.
Auch landschaftlich offenbart die Region ihre eindrucksvolle Urkraft:die markanten Felsformationen von Belogradtschik, die weiten Ebenen entlang der Donau, die sanften, von Mythen durchzogenen Rhodopen sowie die klaren Höhenzüge des Rila- und Pirin-Gebirges. Ein ganz eigenes Naturschauspiel bieten die filigranen Sandpyramiden bei Sandanski, und nicht zuletzt fasziniert die Küste des Ägäischen Meeres mit ihrem Licht und dem weiten Horizont.
Eine wertvolle Prägung unserer Reisen liegt in den sorgfältig gestalteten Begegnungen mit Persönlichkeiten,die sich ihrer Herkunft bewusst sind und den weiteren Weg ihres Landes aktiv mitgestalten. Auch auf dieser Reise finden Gespräche mit Menschen statt, die Verantwortung tragen – kulturell, intellektuell und gesellschaftlich – und deren Perspektiven ein tiefes, reflektiertes Verständnis ermöglichen.
Gemeinsam verlängern wir den Sommer und bewegen uns entlang der antiken Via Militaris, auch Via Diagonalis genannt – jener historischen Lebensader, die einst durch Bulgarien bis nach Thessaloniki führte. Sie verband das Donaugebiet mit Nordgriechenland und bildete, parallel zur westlich verlaufenden Via Egnatia, eine der bedeutendsten Verkehrsachsen der Antike. Über sie zogen Händler und Heere, Ideen und Kulturen – und auch der Apostel Paulus folgte ihrem Verlauf auf seinen Missionsreisen.
Auf diesem Weg durchqueren wir Bulgarien bis nach Nordgriechenland, tauchen in die Echos der Geschichte ein und erleben die malerische Landschaft, die einst Imperien formte.